Archiv für Mai 2012



NGC 2146 mit 500 Lichtjahre großem Rubinring

Bei der Auswertung einer HST-Aufnahme der Starburst-Galaxie NGC 2146 fand ein internationales Astronomenteam eine auffällige, isolierte Nebelregion (im Bild rechts außen). Durch die intensive rote Farbe der H-alpha-Emission erhielt der Komplex den Namen „Ruby Ring“. Bei einer Entfernung der Galaxie von 36 Millionen Lichtjahren und einer scheinbaren Ausdehnung von 2,5 Bogensekunden ergibt sich die Größe des Rubinrings von etwa 500 Lichtjahren.

Die Emission des Nebelrings ist äquivalent zur Ionisation von 600 sehr heißen O7-Hauptreihensternen mit Massen über 25 Sonnenmassen. In dem Rubinring-Komplex konnten 25 Sternhaufen, die sich um einen zentralen Cluster anordnen, identifiziert werden. Während der zentrale Haufen bereits 7 Millionen Jahre alt ist, begann die Sternentstehung in seiner Umgebung erst vor 3 Millionen Jahren.


30.05.2012

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Galaxie CID-42 bleibt rätselhaft

Das COSMOS-Feld im Sternbild Sextant ist mit seinen 200.000 Galaxien nicht nur ein Fenster in das ganz junge Universum (hier und hier), sondern zeigt auch exotische Welten wie z.b. die ungewöhnliche Galaxie CID-42. Ihre Helligkeit liegt im Bereich der 19. Größenklasse, sie ist 3,91 Milliarden Lichtjahre (z=0,359) entfernt und hat einen nur 8,6 Bogenminuten großen Abstand zu PGC 28923, der hellsten Galaxie des COSMOS-Feldes.

ESO/UltraVISTA team

Besonders interessant ist die Galaxie durch ihren auffälligen Doppelkern, zwei aktive Galaxienkerne (AGN) in einem Abstand von nur 8.000 Lichtjahren. Bereits seit 2010 wird angenommen, dass es sich bei der Südost-Komponente um ein aus dem Galaxienzentrum (oberer hellerer Kern) herausgeschleudertes massives Schwarzes Loch handelt, doch wie dieses AGN-Doppel genau entstanden ist, ist weiterhin unklar. Eine Entscheidung für eines von zwei Entstehungsszenarien ist auch mit einer aktuellen Studie zu CID-42 nicht möglich, dennoch ließen sich die Parameter für zukünfige Beobachtungen weiter eingrenzen.

NASA

30.05.2012

Bonner Live-Blog zur Planetentagung in Violau

Daniel und Peter berichten die kommenden Tage im Nachbarblog „Bonner Sterne“ exklusiv von der diesjährigen Planetentagung. In umgekehrter Chronologie kann man hier ihren Live-Blog aus Violau verfolgen.

26.05.2012

Volles Programm: Transits im Doppelpack und Sichelpaar am Abend

Wie angekündigt gab es vorgestern (22. Mai) ein großes Astronomieprogramm im Bonner Raum. In gleich zwei Vorträgen zum Thema Transit berichtete zuerst Exoplanetenjäger Artie Hatzes über extrasolare Transitplaneten von Kepler und Corot, anschließend ging es erneut quer durch 400 Jahre Venustransit-Geschichte und als Abschluss wurde noch in kleiner Runde am Abendhimmel die Venus neben der erst 44 Stunden alte Mondsichel beobachtet.

Zwei Tage vor seinem 55. Geburtstag berichtete Artie Hatzes, Deutschlands führender Exoplanetenforscher und Direktor der Tautenburger Sternwarte, beim letzten DLR-Astroseminar 2012 über extrasolare Planeten im Allgemeinen bzw. über die mit Corot und Kepler entdeckten Transitplaneten im Besonderen. In gebrochenem Englisch – der Texaner lebt jetzt seit 12 Jahren in Thüringen – führte er durch den 90-minütigen Vortrag. Unter anderem ging es auch um seine Mitentdeckung des Gesteinsplaneten Corot-7b, dessen Masse immer noch nicht genau genug bestimmt ist (neueste Beobachtungen werden gerade ausgewertet), und seltsamerweise scheint es dort ein Exo-Australien zu geben.

Bei der Vorstellung der beiden Weltraumteleskope brachte Hatzes sogar eine amüsante Verschwörungstheorie ins Spiel, denn genau einen Tag nach dem Start des NASA-Satelliten Kepler im März 2009 fielen beim europäischen Gegenstück zwei CCDs aus und seitdem geht Corot mit nur noch einem CCD-Chip auf Planetensuche. Es hieß außerdem, dass die Entscheidung zur Verlängerung der Corot-Mission noch im Juni fallen soll.

Viele Exoplaneten (26 bestätigt von Corot, 61 bestätigt von Kepler) sind kochende Welten, allerdings so dunkel wie Asphalt bzw. unser Mond.

Und wo versteckt sich weiteres Leben im Universum?

Als Abschluss zeigte der Thüringer Professor sein Lieblingsbild. Die als „Pale Blue Dot“ bekannte Voyager-Aufnahme entstand am Valentinstag 1990 und zeigt die 0,1 Pixel große Erde aus einer Entfernung von über 6 Milliarden Kilometern (42 AE).

Besonders bei der anschließenden Fragerunde kam Hatzes‘ ganze Körpersprache zum Einsatz, dass man sich sogar an einen TV-Comedian erinnert fühlte. Meine Frage wurde ebenso mit vielen Gesten beantwortet. Er erzählte, wie er Ende der 60er Jahre als junger Teenager viel Cream hörte und unbedingt Drummer werden wollte. 1969 verfolgte er das Apollo-Programm und als ihn seine Mutter schon im Juni nach einem Weihnachtsgeschenk fragte, wünschte er sich ein Fernrohr. Weihnachten 1969 kam und als der 12-jährige Artie Hatzes sein großes Geschenk aufmachte und einen weißen langen Tubus entdeckte, sah er seine Zukunft: er wollte Astronom werden. Wäre also das Apollo-Programm nicht gewesen, der heutige Astronom hätte vielleicht eine Laufbahn als Musiker eingeschlagen und wäre Drummer geworden.

Wie mir der Texaner mit griechischen Wurzeln später noch erzählte, handelt es sich bei dem Fernrohr um ein 60mm-Tasco mit 1000mm Brennweite. Den Refraktor besitzt er noch heute – er steht in seinem Büro in Tautenburg – und hat damit sogar den Venustransit 2004 beobachtet. Als Hobbyastronom führte er damals sogar ein Beobachtungsbuch und konnte als Jugendlicher noch die Milchstraße über Austin sehen.

Viele Fragen wurden gestellt, z.b. ging es kurz um den Corot-Nachfolger Plato, wobei der Exoplanetenforscher mutmaßte, ob er dann in naher Zukunft vielleicht schon direkt vom griechischen Strand aus die neuesten Daten analysieren wird. Und wie war das nochmal mit dem Blickwinkel und den Transitplaneten?

Danach ging’s mit Daniel und einem Remscheider Sternfreund von der DLR in Köln direkt zum Argelander-Institut nach Bonn. Die Wartezeit wurde in der Institutsbibliothek verbracht, denn der Venustransit-Vortrag sollte erst um halb 8 beginnen. Stefan hatte ihn schon in Essen gehalten, Paul wenige Tage danach in Bonn und nun folgte das gemeinsame Double-Feature mit der dritten Aufführung ihres Projekts „Transits in Time“. Leider bekam ihr Vortrag nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte, für die wenigen Zuhörer wurden die 90 Minuten dennoch vollgepackt mit Himmelsmechanik, Astronomiegeschichte, Keyboard-Klangeinlagen und persönlichen Eindrücken des letzten Venustransits sowie der abschließenden „Transit-Sonate“.

Historische Perönlichkeiten, nur Punkte auf der Weltkarte, kamen sogar selbst zu Wort.

Himmelsmechanik in Noten: mit Sonifikation wird Astronomie hörbar.

Die Sonne mit Venustransit zum Greifen nah.

Paul zeigt wieder seinen Glückstreffer von 2004, ein Foto das eigentlich selbst verrät, wann es nur aufgenommen worden sein kann.

Und nach 90 Minuten folgt als musikalischer Abschluss eine Zeitreise durch 400 Jahre Venustransit – für 400 Sekunden haut Paul nochmal in die Tasten. „Transits in Time“ ist nicht nur eine audiovisuelle Reise mit großen Astronomen durch die Jahrhunderte, auch andere Berühmtheiten der Weltgeschichte bleiben nicht unerwähnt.

Sogar die Titantic tauchte zwischenzeitlich auf.

Eine vierte Aufführung der vertonten Venustransit-Geschichte wird es schon am nächsten Samstag (26. Mai) auf der 31. Planetentagung in Violau geben.

Nach dem Double-Feature ging’s direkt nach draußen auf die Wiese, wo Wilfried schon seinen Refraktor in den abendlichen Himmel richtete. Es war nur leicht bewölkt und so konnten die Zuhörer sogar noch mit eigenen Augen einen Blick auf die schmale Venussichel werfen.

Ich holte auch meinen Richfielder aus dem Auto und zielte auf den Abendstern, der bereits genau in zwei Wochen vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen wird.

Die verbleibenden Sternfreunde versuchten mit Fernrohr und Stefans  10×42-Fernglas die ganz junge Mondsichel zu erwischen – ein Sichelpaar in der fortschreitenden Dämmerung.

Und während Daniel grübelte, machte Stefan meinen Refraktor zum Brigde-Richfielder.

Tatsächlich gelang’s mir als erstem die schmale Mondsichel keine zwei Tage nach der Sonnenfinsternis im Okular zu sichten. Anschließend ging’s dann auch mit bloßem Auge. In dem kleinem Bild ist die erst 44 Stunden alte Mondsichel zwischen Venus und heller Laterne nur als hauchdünne Linie zu erkennen, mit der größeren Version geht’s besser. Daniels Bilder des Abends gibt’s hier und hier.

Durch meinen 10x vergrößernden Richfielder ließen sich Venus- und Mondsichel gut ablichten, das Sichelpaar ist hier in etwa richtigem Größenverhältnis dargestellt.

24.05.2012

Neue Entfernung von NGC 2960

Die LINER-Galaxie NGC 2960 (Mrk 1419) im Sternbild Wasserschlange gehört zu 10 Megamaser-Galaxien, mit denen die Hubble-Konstante mit einer Genauigkeit von 3% bestimmt werden soll. Im Rahmen dieses Projekts wurden von Mai 2009 bis Januar 2011 insgesamt 12 Beobachtungen von je 12 Stunden durchgeführt; auch das 100m-Radioteleskop bei Effelsberg kam bei dieser VLBI-Kampagne zum Einsatz. Die Megamaser-Emission von NGC 2960 stammt von einer Edge-on-Gasscheibe, die das zentrale Schwarze Loch mit 10 Millionen Sonnenmassen umgibt; die Scheibenradien liegen bei 0,4 bis 1,2 Lichtjahren. Diese neuen Beobachtungen ermöglichten es auch, die Entfernung der 12,5mag hellen aktiven Galaxien neu auf rund 264 Millionen Lichtjahre zu bestimmen.

Die Wasserdampf-Megamaser-Emission in NGC 2690 wurde vor 10 Jahren ebenfalls mit dem Effelsberger 100m-Radiospiegel nachgewiesen.

23.05.2012

Extreme Planetenatmosphäre von WASP-12b

Sie ist ungefähr doppelt so groß wie Jupiter, vermutlich so schwarz wie Asphalt und mit 3.000 Kelvin kochend heiß wie ein Stern. Das ist die extrasolare Planetenwelt, die in nur 26 Stunden um den Stern WASP-12 kreist. Dieses Bild bestätigen am 11. April 2011 bei 12 Erdumkreisungen durchgeführte Beobachtungen des HST. Die NIR-Daten zeigen, dass die Tagseite des Gasplaneten von 2.700 bis zu 3.200 Kelvin aufgeheizt wird, d.h. der 250.000 Kilometer große Exoplanet ist so heiß wie ein M4- oder M5-Stern. Auf der zum Stern gerichteten Hemisphäre führt dies offensichtlich zur Bildung eines Hot Spots, weshalb der elongierte Gasriese WASP-12b vielleicht wie diese Darstellung zu HD 189733 b aussieht.

Der 11,7mag helle Heimatstern steht im Sternbild Fuhrmann, genau auf einer Linie zwischen 48 und 49 Aur, und außerdem befindet er sich nur 7° nordöstlich des Sternhaufens M 35.

ESA, NASA, Giovanna Tinetti

ESA, NASA, Giovanna Tinetti

23.05.2012

Weitere Galaxien bei z=7 im UltraVista-Feld

Nach der kürzlich gemachten ersten Entdeckung einer 12,9 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie (z=6,944) in der UltraVista-Aufnahme des COSMOS-Feldes, wurde gestern über weitere Funde berichtet. Insgesamt wurden dabei vier neue Emissionslinien-Galaxien mit Rotverschiebungen um z=7 entdeckt, zusätzlich gibt es noch sechs weitere Kandidaten.

Das hier gezeigte Objekt befindet sich an der Position 10 01 52.31 +02 25 42.3 und steht direkt neben einem hellen Stern 12. Größe, einer Galaxie mit 15,0mag sowie vielen weiteren Welteninseln. Der markierte Lichtpunkt ist mit einer Rotverschiebung von z=7,04 ebenfalls 12,9 Milliarden Lichtjahre entfernt.

ESO/UltraVISTA team

23.05.2012


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