First Light mit neuem Richfielder

03./04. Mai 2012 – Donnerstag/Freitag

Auch wenn ich in klaren Neumondnächten immer ein Fernglas dabei habe, macht das längere Beobachten – besonders in Richtung Zenit – weniger Spaß. Und da die Großferngläser mit 90°-Einblick meist nicht mehr so schön handlich sind, fiel die Wahl schließlich auf ein Richfield-Gerät, mit dem der Nacken geschont wird, ich verschiedene Vergrößerungen einsetzen kann und ich dennoch nicht auf große Gesichtsfelder als großen Fernglas-Pluspunkt verzichten muss. Bei einem 80/400-Skywatcher, der im KBA angeboten wurde, hab ich dann gleich zugeschlagen. Letzten Mittwoch hab ich ihn endlich abgeholt, tags darauf konnte ich das Fernrohr schon für ein visuelles und mehr noch fotografisches First Light zum Himmel richten.

Der Nachmittag blieb zwar eher wolkig, es gab aber auch die eine oder andere lohnenswerte Wolkenlücke und so hab ich mal wieder nach der Venus am blauen Taghimmel Ausschau gehalten. Mit bloßem Auge ist sie noch immer als heller Stern sichtbar, so dass ich sie sogar mit meiner Canon und 3x Zoom ablichten konnte. Ganz schwach ist der Planet knapp oberhalb der Mitte als unscharfer Punkt erkennbar.

Den Richfielder hab ich natürlich zuerst auf die Sonne geschwenkt, das 25mm in den Auszug gesteckt und das große Feld von 2,5° mit vielen kleinen Flecken auf der Sonnenoberfläche genossen. Danach zog’s aber wieder zu, so dass es nur für den (unscharfen) Hauptfleck gereicht hat.

Später am Abend gab’s zwar auch klare Abschnitte, doch ebenso zogen wieder reichlich dunkle Wolken vor der Mondscheibe vorüber. Aber wenn der Blick frei war, war’s einfach ein Genuss mit 16-facher Vergrößerung über die helle Mondoberfläche mit den unzähligen Einzelheiten zu schweben: Tychos dunkler Hof aus Impaktschmelze, beide großen Bergspitzen in Copernicus, die Hyginus-Rille, die helle Kaulquappe Reiner Gamma, die drei dunklen „Ascheflecken“ in Alphonsus, selbst der Strahl von Messier A war auflösbar, was mir mit einem 20×60-Großfernglas nicht gelang. Wie ich am Ostrand des Mondes bemerkte, hatte ich einen guten Librationswinkel erwischt, denn die dunkle Ebene des Mare Humboltanium war nicht zu übersehen und ich meinte sogar den gebirgigen Beckenrand erwischt zu haben – anhand einer Unebenheit am anonsten glatten Mondrand.

Direkt am Terminator des fast vollen Mondes fielen z.b. Galilaei und Galilaei A sowie Pythargoras, dessen ausgeprägter Kraterwall langsam vom ersten Tageslicht beschienen wurde, ins Auge. Und obwohl ich nur ein 25 und 15mm im Einsatz hatte,  war sogar das schmale und gewundene Vallis Schröteri, ein ehemaliger Lavakanal, angedeutet. Bei entsprechender Mondphase ist dieses Tal sogar in einem 20×60-Fernglas sichtbar. In diesem Areal fiel außerdem durch seinen Schattenwurf deutlich der fast 70 Kilometer große Berg Mons Rümker auf. Es ist ein ganzer Komplex aus zahlenreichen Vulkandomen, ein einzigartiger Vulkanberg, wo schätzungsweise 1.800 km³ eisenhaltige Lava eruptierte und sich über die Flanken ergoss.

Neben dem Mond hab ich noch kurz Saturn angepeilt und nicht nur ein längliches Scheibchen gesehen, sondern selbst bei der eingesetzten geringen Vergrößerung den Zwischenraum zwischen Planet und Ring erkannt. Und daneben stand sein hellster Mond Titan. Als Abschluss der kleinen First Light-Session hab ich noch einen kleinen „Gruselmond“ mit der Kamera bei 3x Zoom aufgenommen.

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