Wunderbares Himmelsschauspiel Leuchtender Nachtwolken

Und erneut erwies sich Twitter als das Medium für überraschend auftauchende Himmelsereignisse. Letzte Nacht las ich wenige Minuten vor 23:00 MESZ von “bis zum Zenit!” reichenden Nachtleuchtenden Wolken (NLCs = Noctilucent Clouds). Erst folgte ein schneller Blick aus dem Velux-Fenster, danach schnappte ich meine Kompaktkamera und war auch schon zum 150 Meter entfernten Feldweg unterwegs; natürlich ahnte ich noch nicht, dass ich in dieser Nacht diese Strecke insgesamt 8 Mal abgehen sollte (u.a. wegen leerem Akku und fehlendem Stativ). In der späten Abenddämmerung war in Richtung Nordnordost zunächst nur ein relativ kleines, aber strukturreiches NLC-Feld mit den typisch silbern gefärbten Filamenten (Bild 1) zu sehen. Bild 2 und 3 zeigen die Situation um 23:32 und 23:37 MESZ. Ein großes und auffälliges Feld mit einem hellen vertikalen Filament, das am Stern Kapella vorbeizog, lieferte eine sehenswerte Show ab. Doch je später es wurde und die Sonnentiefe unter dem Nordhorizont zunahm, desto mehr verblassten die Nachtleuchtenden Wolken. Somit war nach 45 Minuten Teil 1 meines nächtlichen Fotoausflugs vorbei. Die anschließend erstellte Animation soll zeigen, wie sich die geisterhaften Wolken in nur 3 Minuten verändern.

Derweil füllten sich alle Online-Treffpunkte von Hobbyastronomen mit fantastischen Fotos der schönsten NLCs der bisherigen Saison 2014; der entsprechende Thread im Polarlichtforum umfasst mittlerweile 6 Seiten. Dort zeigt auch der Bonner Sternfreund Stefan Krause, wie die Show 20 Kilometer nördlich von mir über den Rhein tanzte. Einen weiteren Fotobericht gibt’s hier von Blogger-Kollege Daniel Fischer, und um 3:15 MESZ ging dann auch meine Jagd weiter. Für die zweite Halbzeit suchte ich nochmal meinen Feldweg auf und staunte nun einfach nur noch über die feinen Strukturen und die tollen Farben. Die Show in der Morgendämmerung hatte schon begonnen. Die Farbgebung erinnerte mich am ehesten an ein Unwetter, nur dass das hier keine normalen Wolken waren und es sowieso sonst absolut wolkenlos war. Das war absolut ein wunderbares Spiel von Farben und Formen, an dem ich mich nicht satt sehen konnte! Zu Anfang erreichte es nur die halbe Höhe bis zur Kapella, je näher aber der Sonnenaufgang rückte, desto ausdehnter wurde das silberne Wolkenfeld. Gegen 4:00 MESZ reichte es schließlich von der Venus im Nordosten (der “Stern” ganz rechts) bis fast in den Nordwesten. Was für eine großartige Show! Völlig fasziniert saß ich auf dem Feldweg, staunte über die Natur der Wolken und beobachtete ihre Entwicklung, während die Kamera die Bilder machte. Hier nun die 9 schönsten Ergebnisse dieser besonderen Morning-Show, die noch schöner als die NLC-Abendveranstaltung war.

04.07.2014

Wie sich Deutschland und USA auf der ISS für das WM-Spiel warm machen

In genau 4 Stunden ist es soweit: Die entscheidende Fußball-WM-Partie USA gegen Deutschland wird angepfiffen und auch auf der ISS erwartet man dieses Spiel mit Spannung. So postete der deutsche Astronaut Alexander Gerst vorhin diesen lustigen Youtube-Clip bei Facebook: “Als Vorbereitung auf das Spiel heute Abend haben meine amerikanischen Kollegen und ich an Bord der ISS schon mal das Tor-Jubeln geübt. #‎USAGER #‎WM2014“. Und wie man sieht, ist das WM-Fieber nun endgültig auf der Raumstation angekommen. Zwischen dem Deutschen und den beiden US-Kollegen Reid Wiseman und Steve Swanson gibt’s sogar eine Wette, wie die drei Astronauten diese Woche in einem 12-minütigen TV-Interview verrieten. Wenn die deutsche Nationalelf gewinnt, müssen sich die US-Astronauten den Kopf rasieren und falls die USA gewinnen, wird Gersts Glatze mit einer US-Flagge angemalt. Ich bin schon auf die nächsten Selfies von der ISS gespannt. ;)

26.06.2014

So feierte der Niederrhein den 1. Internationalen Tag der Sonne

So wurde vor zwei Tagen der Sommeranfang auf dem Gelände der Firma Bresser gefeiert, denn am 22. Juni fand zum ersten Mal ein Internationaler Tag der Sonne statt. Von New York bis Wales, von New Mexico über Indonesien bis Hamburg: Zum längsten Tag des Jahres 2014 wurden weltweit überall Teleskope für öffentliche Sonnenbeobachtungen zum Himmel gerichtet, und anlässlich des “International Sun-Day” lud auch Bresser in Rhede nahe Rees am Niederrhein zu einem großen (Sonnen-) Tag der offenen Tür ein. Insgesamt 13 Sonnenteleskope – von 35mm bis 230mm Öffnung – standen für die Besucher bereit, nicht mitgezählt sind das mit einer Kamera ausgerüstete Fernrohr (für ein Livebild unter isd-live.bresser.de) oder die von der Sternwarte Bochum aufgestellten Geräte. Da auch Hobbyastronomen eingeladen waren, schauten auch 5 Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) vorbei und brachten auch ein optimiertes 60mm-Lunt-Teleskop und einen 80mm-Refraktor, beide inkl. Bino-Genuss, mit. Hier konnte man parallel unseren Heimatstern gleich in zwei Wellenlängen, entweder im Weißlicht mit den Sonnenflecken oder im H-alpha-Licht mit den Protuberanzen, beobachten, außerdem gab es viele nette Gespräche und es wurden die unterschiedlichsten Fragen beantwortet.

Entgegen der allgemeinen Wettervorhersage gab es am Sonntag leider mehr grau statt blau, aber dennoch lachte die Sonne in mal kleineren, mal größeren Lücken, die dann auch schon für einen Sonnenbrand ausreichten. Dank Nordwest nach Südost ziehender Wolken blieb der Himmel zunächst bedeckt, so dass eher Zeit für Fachgespräche mit den Mitarbeitern war, doch ab dem Mittag zeigten sich auch die ersten sonnigen Abschnitte. Und – wie die Fotos oben es zeigen – sobald die aufgebauten Teleskope deutlich Schatten warfen, strömten wie auf Knopfdruck die Besucher an die zahlreichen Okulare. Ingesamt schätzt man, dass etwa 2.000 Besucher zum 1. “Internationalen Sun-Day” bei Bresser vorbeischauten.

Weitere Eindrücke:

Zum großen Familien-Veranstaltungsprogramm gehörte aber nicht nur der aufgebaute Teleskop-Fuhrpark, außerdem gab es interessante Vorträge, Vorführungen in einem aufblasbaren Planetarium, außerdem konnte man sich in den Verkaufsräumen umsehen und informieren, …

… für den Gewinner des Fotowettbewerbs abstimmen und …

… man konnte sogar Münzen, Insektenflügel, Steine, Chromosome usw. mikroskopieren.

Alles im allem war der Sonntag in Rhede ein ereignisreicher Sonnen-Tag, so dass ich mich jetzt schon auf den 21. Juni 2015 mit der 2. Ausgabe des “International Sun-Day” freue. Aber dann mit hoffentlich noch mehr Sonne! Und größeren Sonnenflecken. Und vielleicht einer Sonnenbeobachtung in Bonn.

24.06.2014

Heute live: Berggipfel-Sprengung für das E-ELT

Bevor das größte optische Teleskop der Welt in knapp einem Jahrzehnt so aussieht wie in dieser künstlerischen Darstellung, erfolgt heute der erste Spatenstich. Ein Spatenstich explosiver Art um genau zu sein, denn der Gipfel des 3.000 Meter hohen Cerro Armazones, 22 Kilometer vom berühmten Cerro Paranal mit dem VLT entfernt, muss zunächst um 20 Meter kürzer gemacht werden. Kurzer Rückblick: April 2010 wurde der Cerro Armazones als Standort für das Riesenteleskop der ESO ausgewählt, 2011 wurde der geplante Spiegeldurchmesser für das E-ELT von 42 auf 39 Meter reduziert und im Juni 2012 wurde in Garching über den endgültigen Beschluss zum Bau abgestimmt. Heute erfolgt zwei Jahre danach nun die erste Sprengung zur Gipfel-Einebnung für die europäische Milliarde-Euro-Sternwarte in Chile. Und die ESO feiert das heutige Ereignis mit einer Liveübertragung von 18:30 bis 20:30 MESZ (die eigentliche Sprengung soll vermutlich gegen 20:10 MESZ stattfinden), via Twitter können auch Fragen unter dem Hashtag #EELTblast gestellt werden. “Mit der Ruhe und Abgeschiedenheit, die ich im März 2010 dort oben noch erlebt habe, ist es hiermit endgültig vorbei“, schreibt dazu ein Hobbyastronom, der 2010 auf dem Armazones noch beobachtet hatte. Und in 9 Jahren wird auf dem jetzt entstehenden Plateau schließlich der wissenschaftliche Betrieb mit dem gigantischen 39-Meter-Spiegel des European Extremely Large Telescope (E-ELT) beginnen.

[Nachtrag] Blogger Jan Hattenbach ist vor Ort und twittert bereits live vom Groundbreaking-Event. Außerdem hieß es auf eine Nachfrage, dass heute 5.000 m³ Gestein gesprengt werden sollen, im Laufe der nächsten Monate werden es aber insgesamt 220.000 m³ werden.

19.06.2014

Alexander Gerst gratuliert der Nationalelf zum 4:0-Sieg

Während beim gestrigen WM-Auftaktspiel der Nationalelf allein Hunderttausende auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin feierten, konnte ein Deutscher bei der sensationellen Partie gegen Portugal nur am ThinkPad mitfiebern. Ja, so sah die 72. Minute, in der Hummels eingewechselt wurde, rund 400 Kilometer über der Erde auf der Internationalen Raumstation ISS aus. Ich hätte nicht gedacht, dass bei dem straffen Programm eine FußbALL-Liveübertragung möglich ist, aber offenbar scheint es geklappt zu haben, denn Alexander Gerst twitterte und postete auch bei Facebook: “Zwischen die 10 Stunden wissenschaftlicher Experimente gestern passten auch 20 Minunten live #worldcup FussbALL. Gratulation an das DFB-Team aus dem Erdorbit!” So konnte der Astronaut doch mit seinen Kollegen den verdienten 4:0-Triumph eines spannenden Spiels, in dem Lahm, Kroos, der dreifache Torschütze Müller und Co. glänzten und Ronaldo eigentlich nur durch die wenigsten Ballbesitze auffiel, verfolgen.

17.06.2014

Toller astronomischer Nachmittag für Kinder

Wie zuletzt im Oktober öffnete vor zwei Tagen das Argelander-Institut (AIfA) in Bonn-Endenich wieder seine Türen speziell für Kinder, und selbst wenn es nicht so viele AstroZwerge wie im Herbst waren, hatten die Kleinen doch sicher ihren Spaß. Zu Beginn hielten Vivien Thiel und Nina Brinkmann einen allgemeinen Vortrag über Objekte im und jenseits des Sonnensystems bzw. über den aktuellen Sternhimmel mit dem bekannten und beliebten Freeware-Programm  Stellarium. Nach einer Stunde Theorie, ging es anschließend hoch auf das Institutsdach, wo beim Anblick des großen 50cm-Teleskops die praktische Seite der Astronomie kindgerecht nähergebracht wurde. David Mülheims ließ sich viel Zeit für die Teleskopbesichtigung, erklärte alles ausführlich und zeigte beispielsweise die CCD-Kamera oder gab die Playstation-Steuerung auch mal in Kinderhände. Es wurde aber auch gezeigt, wie bzw. wo Astronomen heute arbeiten. An einem Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen erklärte er die Teleskopsteuerung oder es wurden astronomische Aufnahmen gezeigt. Und egal ob Supernova, das Leben von Sternen oder eine Kinderfrage nach der Energiequelle der Sterne – der Hobbyastronom und Student konnte alles wunderbar verständlich erläutern.

Doch nach so viel Technik hieß es erstmal die schöne Aussicht vom Dach genießen.

Und nach der einstündigen Teleskopbesichtigung war noch Zeit für etwas Kreativität, man konnte u.a. Sternbilder malen und erfinden, und Sonnenbeobachtung an meinem kleinen 80mm-Teleskop. Viel gab es auf der Sonne nicht zu entdecken, aber nebenbei ergaben sich noch nette Gespräche mit den Eltern, bis schließlich nach 17:00 Uhr der schöne astronomische Nachmittag für Kinder zu Ende ging.

17.06.2014

So spannend kann ein KBA-Astrostammtisch sein

Auch im 11. Jahr des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) heißt es immer noch: Unser monatlich statt-findener Astrostammtisch ist vieles, aber bestimmt nicht langweilig. Die Gesprächs-themen, die sich längst nicht nur um Astronomie drehen, werden einfach nicht weniger, was ganz klar auch an den interessanten Mitgliedern liegt. Manchmal werden Bücher, Okulare, Filter und andere Dinge zum Verkauf angeboten, aber es gibt auch diese Art von besonderen KBA-Stammtischen, bei denen CDs mit eigener Space-Musik oder selbstgemalte Space-Art präsentiert werden, ein Sternfreund sogar seine Erfindung vorstellt oder ein Bastler eigene Asteroiden mitbringt. Zu unserem Vollmond-Treffen letzten Freitag, dem mittlerweile 85. KBA-Stammtisch, brachte Raumfahrt-Fan Daniel Bockshecker gleich eine komplett ausgestattete Saturn-V-Rakete mit. Ein siebenjähriger Junge fand das originalgetreue Modell zur Apollo-Ära so spannend, dass er direkt von einem Nachbartisch rüberkam. Als Mitglied des Projekts Skyrider (Facebook) wusste Daniel außerdem jede Menge über den am 01. Juni gestarteten zweiten Stratosphärenballon zu berichten. Aus erster Hand schilderte er das erfolgreiche Abenteuer Skyrider 2, auch  zahlreiche Fotos (siehe z.b. Alben hier und hier) und den kleinen “Major Tom”, der die Stratosphäre bis zu einer Höhe von 32.650 Metern erobert hatte, hatte er mitgebracht.

Nach einer unterhaltsamen und extralangen Stammtisch-Runde auf der Terrasse ging es vor der Tür noch weiter, denn plötzlich war der KBA auf der Suche nach seinem ersten Geocache. Offenbar wollte von den übrigen 6 KBA-lern noch niemand nach Hause und so folgten wir im wolkenverhangenen Schein des Vollmonds einem leuchtenden Smartphone. Ein gut verstecktes, magnetisches Mikro-Cache im dunklen Gebüsch war schließlich das Ziel, und mindestens ein Sternfreund hat dieses sehr preiswerte und wetterunabhändige Hobby – im Gegensatz zur Astronomie – gleich für sich entdeckt und trug sich im kleinen Logbuch ein.

Fazit: Für einen Freitag, den 13., war das auf jeden Fall nicht nur ein überaus spannender und unterhaltsamer Astrostammtisch, ganz klar war es auch einer der längsten – ich war erst gegen halb 2 zu Hause – unserer monatlichen (g)astronomischen Treffen.

16.06.2014



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